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Gewitzt leben!

Gewitzt leben?

Machen wir einen Umweg über das Wort „witzlos“: Ein witzloses Leben ist unwichtig, nicht relevant, das Leben nicht wert. Leben braucht also den Witz, den „wit“ im Angelsächsischen, die „cleverness“.
Witz in diesem Sinn ist Ausdruck des geistigen Vermögens, „verblüffende und aufschlussreiche Vergleiche herzustellen sowie Metaphern zu erfinden. Denjenigen, bei dem dieses Vermögen besonders ausgeprägt ist, nennt man einen witzigen Kopf“. So sagt Wikipedia, Stand 15.9.2021.

Nützliche Umwege.

 

Gewitzt Leben bedeutet, mit Vergleichen arbeiten, mit Bildern und Metaphern, mit Assoziationen, mit dem Witz und … ja: mit Umwegen. Aber Umwege sind doch meist lästig, notwendiges Übel, wenn der direkte Weg blockiert scheint, oder? Warum also sollten wir Umwege wählen und unsere Zeit mit Witz, Verblüffung und Bildern vergeuden?

Sprache trifft?

Wir machen die Erfahrung, daß wir mit der Sprache in der Kommunikation oft nicht unsere Ziele erreichen. Unsere Botschaft trifft nicht analog beim Empfänger ein, sie wird dort nicht genauso verstanden, wie wir es beabsichtigen. Denn Sprache ist niemals neutral, sie wird von unserem Machtanspruch bedient und erzeugt die Ressentiments, die Wertungen und die Hintertüren gleich mit. Mehrdeutigkeiten und Paradoxien sind nicht die Ausnahmen, sondern die Regel. Sprache löst das Problem oft nicht, vielmehr wird sie Teil des Problems.

Witz trifft besser!

Kann gewitzte Sprache Probleme besser lösen?
Mit dem Witz in der Kommunikation wollen wir keine Macht ausüben. Wir nehmen offensichtlich den Umweg und überlassen es bewusst dem Empfänger, seine Interpretation zu gestalten. Wir haben den Auslegungsspielraum methodisch eingebaut.
Damit ist eine Voraussetzung geschaffen, daß wir unsere Positionen nun im diskursiven Hin und Her zum Verständnis bringen und – vielleicht – mit einem „So soll es sein!“ abschließen können.
Das ist nicht sicher. Aber eins ist zumindest sicher: Der Witz bleibt haften! Nachhalltig.

Grüße aus dem Urlaub an daheim, Vorderseite

Beobachten

In der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation ist also der Witz als Umweg zu empfehlen. Und wir brauchen auch den Witz „zweiter Ordnung“: Den gewitzten Umgang mit dem Witz, die Beobachtung des Gewitzten.
Im jüdischen Witz kennen wir diese Beobachtungsgabe als die distanzierende, manchmal bittere Selbstironie, mit der sich der Erzähler oft selbst „auf die Schüppe nehmen“ kann. Hinter der humorvollen Oberfläche der Szene werden wir auf tiefere Bedeutungen hingewiesen. Im jüdischen Witz lernen wir, daß die Dinge immer auch aus anderen Perspektiven gedacht werden können.
Der Rabbi ist oft derjenige, der uns das vormacht. Beispiel: Der Rabbi folgt auf seinem Spaziergang einem betörenden Duft, bis ihn seine Nase zum Metzger führt. „Metzger“ sagt er, „gibt mir von dem herrlich duftenden Fisch!“ Darauf der Metzger: „Aber Rabbi! Das ist Schinken, Schweinefleisch! Nichts für dich!“ Der Rabbi gewitzt: „Ich habe dich nicht nach dem Namen von diesem Fisch gefragt.“

Grüße aus dem Urlaub an daheim, Rückseite

 

Umwege: Die Auswahl

Es ist nicht nur der Witz in der Sprache, der unsere Kommunikation und unser Gestalten bereichern kann.
Der Witz ist eine Kunstform, und Kunst liefert einen unerschöpflichen Raum an Möglichkeiten für Ausdruck und Gestaltung. Unartig, metaphorisch, nachhalltig!
Mit AHA reisen wir zur Kunst. Versprochen! Auch die Kampfkunst haben wir auf der Reise-Route … mehr dazu verraten wir auf dieser Seite an anderer Stelle.