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Erfolg beginnt im Kopf

Mit dem Kopf durch die Wand – dieses Bild ist negativ belegt.
Da will einer unbedingt etwas erreichen, notfalls mit brachialer Gewalt.
Doch da steckt noch ein anderer Gedanke drin.
Wenn ich mein Ziel unbedingt und unter allen Umständen erreichen will, geht das nur über den Kopf, über das Denken, über den festen Willen.

Als ich so Mitte 40 war, habe ich mal im Scherz gesagt, dass ich mit 50 einen Marathon laufen würde. Am liebsten den in Köln, weil da die Stimmung so gut ist. Meine Familie hat kurz gelacht, den Kopf geschüttelt und mich innerlich für größenwahnsinnig erklärt.
Aber in meinem Kopf hatte sich die Idee festgesetzt. Und als ich zufällig den Extremsportler Hubert Schwarz kennenlernte, war es soweit. Nur im Timing hatte ich mich um ein Jahr vertan. Denn meinen ersten Marathon lief ich mit 49 Jahren.

Lieber zu früh als nie. Beim ersten Mal ist es auch nicht Köln geworden, sondern Berlin. Aber dort war die Stimmung auch bombastisch.

Die Erfahrungen, die ich auf dem Weg dahin gemacht habe, sind mir heute noch wichtig und hilfreich. Es war eine besondere Reise in mein Innerstes.
Alle die sich schon mal auf einen Marathon vorbereitet haben und im Rennen gelaufen sind, werden es bestätigen.

Diese Reiseerfahrungen halten mitunter ein Leben lang. Sie helfen in allen Lebenslagen, ob beruflich oder privat.

Das Projekt Marathon lässt sich gut mit einem Aphorismus von Alfred Krupp beschreiben:
Anfangen im Kleinen, Ausharren in Schwierigkeiten, Streben zum Großen.

Wer heil, gesund und erfolgreich über die Strecke von 42.195 m kommen will, muss im Kleinen anfangen, nämlich mit einem ausgewogenen Aufbautraining. Je nach persönlicher Fitness sind das am Anfang kurze Läufe, in mäßiger Geschwindigkeit.
Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit halte ich für ein Muss, besser noch ein Jahr. Denn es ist nicht zu unterschätzen, was man seinem Körper zumutet und an Leistung abverlangt.
Die Intensität der Trainingseinheiten wird nach und nach gesteigert. Mindestens genauso wichtig sind die Regenerations-Phasen, die zwischendurch eingebaut werden.
Über die ideale Vorbereitung gibt es jede Menge Literatur und Anleitung von erfahrenen Sportlern und Medizinern. Dem muss ich nichts mehr hinzufügen, außer dem guten Rat, sich guten Rat zu holen. Dafür gibt es ausreichend Experten, Trainer, Laufgemeinschaften, Sportmediziner.

Was hat das Laufen aus mir gemacht? Welche Effekte haben sich ergeben?
Wie konnte ich die Erfahrungen in meinen Berufsalltag und mein Privatleben integrieren?
Ich habe gelernt, mich auf wichtige Dinge sehr gut vorzubereiten und zu planen, antizipieren, vorausschauend zu denken.
Wer einmal in einer Wohnung im 5. Stock ohne Aufzug gewohnt hat, weiß, wovon ich rede. Wenn man runter geht, um etwas aus dem Keller zu holen, denkt man zweimal nach, ob man nichts vergessen hat.

Ich habe gelernt, meinen inneren Schweinehund zu besiegen. Der flüstert einem morgens um 5 Uhr, wenn es draußen dunkel, regnerisch und nass ist mit enormer Intensität ins Ohr, dass es viel schöner sei, im warmen Bett liegen zu bleiben.
Das ist es bestimmt auch, aber der Trainingseffekt liegt dann bei Null.
Der innere Schweinehund schlägt auch in anderen Situationen gerne mal zu. „Das Projekt ist doch zu aufwändig für uns, dem Kunden kann ich sicher nichts verkaufen, den Mitarbeiter kannst du nie überzeugen – also lass es lieber.“ Und schon hat der innere Schweinehund gesiegt.

Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören. Da er beim Laufen das einzige Sportgerät ist, das mir zur Verfügung steht, muss er gut behandelt werden. Ausgewogene Ernährung, reichlich Zufuhr von Flüssigkeiten, Regenerationsphasen einhalten, Überlastungen vermeiden, all das gehört dazu.
Der Körper sendet auch im Alltag außerhalb des Lauftrainings Signale, die gehört werden wollen. Gute Ernährung, auf Junkfood verzichten, Pausen machen, ausreichend schlafen, keine Mails in der Freizeit lesen, Zeit für Familie und Freunde einplanen, für ausreichend Bewegung sorgen.

Ich habe gelernt, an meine Grenzen zu gehen. Schon bei den 3-Stunden-Läufen in der Vorbereitung habe ich Grenzerfahrung gemacht. Der Körper schreit nach Ruhe, aber die Uhr zeigt erst 2:35 h, da schaltet sich der Kopf ein und sagt, dass wir gemeinsam diese 0:25 h noch schaffen werden. Und weiter geht´s!

Beim Berlinmarathon kommt man heute nach knapp 30 km an den Platz zum Wilden Eber. Bei meinem Lauf war er noch bei Kilometer 36, dort hing seinerzeit, als ich dabei war, ein Plakat über der Strecke „Lass die Sau raus!“ Jetzt nur noch 5 km bis ins Ziel. „Wir schaffen das!“

Grenzerfahrungen gibt es auch im Alltag. Es sind vor allen Dingen Situationen, in denen wir mit unseren probaten Werkzeugen nicht mehr weiterkommen.
Aber dann heißt es erst recht, die Sau rauszulassen und zu sagen „Wir schaffen das!“

Ich habe es bei meinen Marathonläufen ins Ziel geschafft, weil ich es wollte und weil es mir Freude gemacht hat. Denn nur das, was man mit Freude macht, gelingt wirklich gut.

Die positiven Auswirkungen sind eine gute Gesundheit, geistige Fitness
und mentale Ausgeglichenheit. Ich habe mir mit dem Laufen, später dann mit Rudern und Radfahren eine neue Lebensqualität geschaffen.
Ich bin seltener krank, weil mein Körper und mein Kreislauf in einer stabilen Zone sind.
Nicht nur der körperliche Zustand verbessert sich, auch geistig gewinnt man viel dazu. Jeglicher Stress, jegliche Anspannung, die man beim Job nicht ausschließen kann, wird auf wunderschöne Weise abgebaut und die persönliche Kreativität nimmt zu.
Und das alles geht nur über den Kopf. Du musst es wollen, dann gelingt es!