Raum der Möglichkeiten: Das Unternehmen.

By 20. Oktober 2018Basics, Inhalte

Der Raum der Möglichkeiten bedingt das Überleben des Menschen.

Die ersten Jagdwerkzeuge des Menschen waren Keulen und Wurfsteine. Der Speer erlaubte bereits das Jagen über größere Distanz. Pfeil und Bogen schafften höhere Präzision und stärkere Durchschlagskraft. So wurde über viele Jahrtausende aus dem Hilfsmittel das Werkzeug …

… und schließlich die Maschine: das Gewehr als System. 

Bei der Materialbearbeitung beobachten wir eine ähnliche Entwicklung des Optimierens: Aus dem Mörser, mit dem man Getreide und Gewürze mühsam von Hand zerstoß, wurde die maschinelle Mühle.

Hebel und Flaschenzug multiplizierten die menschliche Muskelkraft, Wind und Wasser lieferten Energie und waren dem Menschen in ihrer „Ausdauer“ überlegen.

Seitdem man den Maschinen auch das automatische Arbeiten beibringen kann, sind Mensch und Maschine in der Lage, als System unabhängig voneinander ihre Aufgaben zu erledigen.

Vorbild Natur

Leonardo da Vinco kennen wir als Künstler. Er hat aber auch Leichen seziert und sich dabei besonders für die Anatomie des Menschen interessiert. Seine detailreichen Zeichnungen von Muskeln und Sehnen sind berühmt und schmücken manche Wand in Orthopädie-Praxen. Aber als „Ingenieur“ hinterließ er uns  auch Konstruktionszeichnungen von Getrieben, Waffen, Brücken, Flugobjekten … Legen wir die Werke aus beiden Kategorien nebeneinander, so wird offenkundig, was wo Pate gestanden haben muss.

Der Mensch hat seine Hilfsmittel also geschaffen, indem er von der Natur einschließlich seiner selbst abgeschaut hat. Durch die Nutzung der Hilfsmittel, das Lernen im Umgang mit ihnen, durch inkrementelle Fehlerbehebung und Verbesserungen im Detail und sicher auch mit der Hilfe des Zufalls wuchsen Leistungsfähigkeit und Komplexität seiner Maschinen. Damit konnte der Mensch die Bandbreite seiner Möglichkeiten ausweiten und seine Überlebenschancen als Spezies deutlich steigern.

Das Prinzip des Möglichkeitsraums

Das System Mensch-Maschine hat sich also im Rahmen der kulturellen Evolution bewährt.
Als These können wir eine Grundkonstante menschlicher Motivation annehmen,
den Raum der Möglichkeiten auszuweiten:
Die Fitnessfunktion des Überlebens und damit eine dauerhafte Erfolg-Story.

Es liegt in der Logik dieser Fitnessfunktion, daß die Entwicklung der Mensch-Maschine-Kooperation nicht immer harmonisch verlaufen konnte. Es gab Rückschläge, Fehlentwicklungen und Widerstände. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zerschlugen die Weber in England (Luddismus) ihre Webstühle, um gegen die katastrophalen sozialen Bedingungen und ihren Arbeitsplatzverlust zu kämpfen. Heute erleben wir wachsendes Ressentiment gegen die vermuteten Folgen der Digitalisierung und gegen das was unter der sog. „Künstlichen Intelligenz“ verstanden wird. Der Verlust von Autonomie und Kontrolle wird befürchtet.

Das Mensch-Maschine-Problem

Das Mensch-Maschine-Verhältnis war also immer auch ein ambivalentes und somit ein Mensch-Maschine-Problem. Trotzdem – oder gerade deswegen – schreibt die Erfolg-Story vom Raum der Möglichkeiten und dessen Ausweitung als Serie unaufhaltsam neue Folgen. Das bewährte Abgucken praktizieren wir heute, indem wir versuchen, die Architektur von Computern dem nachzuempfinden, was wir im menschlichen Hirn vermuten. Das Ziel: der Maschine eine Intelligenz und damit Leistungspotentiale einzuhauchen, die bislang das Alleinstellungsmerkmal der „Krone der Schöpfung“ ausmachten.

Gatekeeping: Die Verhinderer!

Das Werkzeug der Populisten

Eingrenzen Ausgrenzen Abgrenzen

Nicht jeder Zeitgenosse heißt diese Entwicklung willkommen. Unruhe und Angst befeuern Rufe nach Komplexitätsreduzierung, nach der starken Hand, nach Grenzen gegen alles Neue und Fremde. Populisten versprechen, solche Bedürfnisse zu befriedigen. Deshalb genießen sie eine traurige Konjunktur und bespielen ihr Illusionstheater erfolgreich. Sie können die Zunahme der Komplexität zwar nicht eindämmen, aber sie beschränken den Raum der Möglichkeiten und damit unsere Freiheit. Das kommt einer Amputation an der Erfolg-Story der kulturellen Evolution gleich.

Maschinen-Ethik

Ihre Masche ist die des Wolfes im Schafspelz: Das Schaf ruft nach Ethik, der Wolf will Macht. Die Ethik, die in diesem Spiel gemeint ist, entpuppt sich als eine beschränkende, als ein Mix aus Regulierung und Reduzierung, aus Trivialisierung und Infantilisierung.

Das Unternehmen als Raum der Möglichkeiten

Wir haben als Unternehmer und Führungskraft in diesem Umfeld konkrete Aufgaben:

  • Wir müssen erläutern, daß mit dem Kürzel VUCA (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) die heutigen Rahmenbedingungen zutreffend beschrieben sind und wir darauf mit Akzeptanz und Kompetenz zu antworten haben. Das ist lernbar.
  • Unsere Unternehmenswelten müssen wir so gestalten, daß sie jedem Betroffenen und Beteiligten den Raum bieten, Möglichkeiten, Angebote und Alternativen zu erkennen und diese nach individuellem Bedürfnis erfolgreich umzusetzen.
  • Im Zusammenhang mit dem trivialisierenden Populismus müssen Unternehmen auf die Zusammenhänge, auf Ursachen und Wirkungen aufmerksam machen.
  • Unternehmen müssen klar definieren: Ethisch handeln bedeutet, unter alternativen Angeboten in Freiheit bewusst entscheiden und für das Handeln und dessen Konsequenzen die Verantwortung übernehmen. Damit ist ethisches Handeln alles andere als das Handeln entlang der Richtschnur irgendeiner Ethikbegründung! Es ist stattdessen eine Gestaltungsaufgabe, durchaus im ästhetischen Sinn. 

 Ethik, Regulierung, Compliance …  das sind Verhinderer ethischen Handelns.

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