Hurra ein Fehler! Fehlerkultur im Unternehmen.

By 8. Februar 2018Blog, Inhalte, News

Aus der Zeit von Henry Ford, dem Autobauer, ist folgende Geschichte überliefert: Ein Mitarbeiter hatte einen finanziell folgenschweren Fehler zu verantworten. Ihm war klar, daß er kündigen müsse. Ford jedoch lehnte die Kündigung ab und sagte: „Wir haben soeben eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert!“ Er offenbarte damit sein spezielles Verständnis einer Fehlerkultur, also der Art, mit dem Fehler, dem Verursacher und den Folgen umzugehen.

Fehlerkultur: Fehler = Helfer?

Mit dem Fehler werden in diesem Beispiel nicht nur Fehlverhalten, Schuldzuweisung und Sanktionierung verbunden, sondern auch – vielleicht vor allem – der Lerneffekt. Denn der Fehler kann Schwachstellen aufdecken, die nicht allein in der Verantwortung des Mitarbeiters zu suchen sind, sondern ebenso auch in der Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens und im Zusammenspiel aller sog. weichen Faktoren, die das Unternehmen ausmachen.

Neues durch Fehler

Beispiel für Fehlerkultur: Kein Pissoire mehr

Foto Alfred Stieglitz (1917): „Fountaine“ von Marcel Duchamp

Insofern fehlt dem Fehler meist die Eindeutigkeit von Ursache und Wirkung. Stattdessen bieten Fehler oft ein Spielfeld an kreativen Deutungs-Möglichkeiten – und damit leider auch an Rechtfertigungs-Fluchttüren, um die Verantwortung abzuschieben.

Der Künstler Marcel Duchamp stellte 1917 seinen „Fountain“ aus und löste damit eine heftige Diskussion über den Kunstbegriff aus. Siehe Bild links, Quelle: Wikipedia.

Ein Klempner wird sachlich die fehlerhafte Installation des Pissoires bemängeln. Gleichzeitig wird auch er zugeben müssen, daß hier etwas Neues entstanden ist. So kann aus einem Pissoire etwa auch eine Obstschale werden, sofern wir bereit sind, im Hirn den richtigen Schalter umzulegen. Sind wir das nicht, so fehlt es uns an Kreativität und Offenheit. Ein Fehler.

 

Moral oder Logik?

Fehler! Der Begriff ist moralisch wertend negativ besetzt. Fehler heißt, es fehlt etwas. Fehler ist also Mangel (mangelhaft). Was genau macht den Mangel aus? Und was müssen wir hinzufügen, um den Mangel zu beseitigen? Vielleicht ist statt des Mangels etwas zu viel?

Es gibt für den Begriff Fehler keinen eindeutigen Begriff des Gegenteils. Auf dem Umweg über das Eigenschaftswort „falsch“ könnten wir allenfalls zu „richtig“ und damit zur „Richtigkeit“ kommen. Aber falsch ist nicht gleich fehlerhaft, denn mit „falsch“ oder „richtig“, manchmal auch mit „wahr“, bewegen wir uns im Bereich der Logik und beantworten eindeutige 0-1-Fragen.

Im Nebel navigieren

Im Unternehmen sind aber nicht nur 0-1-Entscheidungen aus logischer Sicht zu treffen. Viele Fragen – vielleicht die meisten – stellen sich vor einem komplexen Hintergrundrauschen aus Vermutungen und thesenhaften Wenn-Dann-Überlegungen. Es wird nebulös: Der Ausgang der denkbaren Spielzüge lässt sich nur über wenige Etappen befriedigend voraus erahnen, danach fehlen die geeigneten Nebelscheinwerfer. Das ist ein Mangel, womit wir wieder beim Fehler wären. Wahr bzw. richtig oder falsch wären vermessene Antworten, falsche Sprache! Der Unternehmer (auch jeder Mitarbeiter) kann seine Entscheidung also nur als „vernünftig“, „nützlich“ oder auch „gut“ vor dem Hintergrund seiner Begründungen und Prognosen bezeichnen. Trifft das Erwartete nicht ein, so darf im Rückblick von Fehler gesprochen werden.

Unbedingt oder offen?

Mit dem Fehler sind wir unmittelbar bei der Betrachtung des Risikos: Henry Ford konnte den finanziellen Schaden der Fehlentscheidung des Mitarbeiters als Investment einstufen, weil die Schadenshöhe nicht den Ruin des Unternehmens bedeutet hatte. Er konnte sich das Investment leisten und erwartete einen Return.

AHA interessiert sich für die Fehlerkultur im Unternehmen.
Nicht für die Logik des Wahr oder Falsch,
mit der wir Algorithmen füttern können und sollten.

Unsere Diskussionen zu diesem Thema bewegen sich also im Spannungsfeld zwischen dem Kategorischen und dem souverän Offenen in der Fehlerkultur.

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