Gewitzt führen?

By 18. Oktober 2019Basics, Inhalte, News

Führen:
Das passiert im Job und ebenso im Ich-Unternehmen.

Können wir (uns) „gewitzt“ führen?

Über den Umweg „witzlos“ nähern wir uns der Antwort: Wenn Führung witzlos ist, dann hat sie versagt. Führung braucht also den Witz, den „wit“ im Angelsächsischen, die „cleverness“.

Diese Art Witz ist Ausdruck des geistigen Vermögens, „verblüffende und aufschlussreiche Vergleiche herzustellen sowie Metaphern zu erfinden. Denjenigen, bei dem dieses Vermögen besonders ausgeprägt ist, nennt man einen witzigen Kopf“. So sagt Wikipedia, Stand 14.7.2019.

Umwege?

Umwege sind nützlich

Gewitzte Führung können wir als Führung definieren, die mit Vergleichen arbeitet, mit Bildern und Metaphern, mit Assoziationen und mit dem Witz und damit … ja: mit Umwegen. Aber Umwege sind doch meist lästig, notwendiges Übel, wenn der direkte Weg blockiert scheint, oder? Warum also sollten wir Umwege wählen und in der Führung mit Witz, Verblüffung und Bildern spielen?

Die harte Antwort: In der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation gibt es keinen direkten Weg. Wir brauchen Umwege wie den Witz. Und wir brauchen den Witz „zweiter Ordnung“: Die Kompetenz im Umgang mit dem Witz, die Beobachtung des Gewitzten.

Grüße aus dem Urlaub an daheim

Grüße aus dem Urlaub an daheim

Perspektiven

Im jüdischen Witz kennen wir diese Beobachtungsgabe als die distanzierende, manchmal bittere Selbstironie, mit der sich der Erzähler teils auch „selbst auf die Schüppe nimmt“. Hinter der humorvollen Oberfläche der Szene werden wir auf tiefere Bedeutungen hingewiesen. Im jüdischen Witz lernen wir, daß die Dinge immer auch aus anderen Perspektiven gedacht werden können.

Der Rabbi ist oft derjenige, der uns das vormacht. Beispiel: Der Rabbi folgt auf seinem Spaziergang einem betörenden Duft bis ihn seine Nase zum Metzger führt. „Metzger“ sagt er, „gibt mir von dem herrlich duftenden Fisch!“ Darauf der Metzger: „Aber Rabbi! Das ist ein Schinken. Schweinefleisch! Nichts für dich!“ Der Rabbi gewitzt: „Ich habe dich nicht nach dem Namen von diesem Fisch gefragt.“

Schöne Grüße an daheim

Schöne Grüße vom Balkon

Sprache

Wir lernen, daß die Sprache als wichtiges Führungsinstrument oft nicht das Problem löst, sondern vielmehr selbst Teil des Problems ist. Sprache ist niemals neutral, sie wird von heroischem Machtanspruch bedient und erzeugt die Hintertüren gleich mit. Die Botschaft des Senders trifft nicht analog beim Empfänger ein, sie wird dort nicht genauso verstanden, wie es der Sender beabsichtigt. Mehrdeutigkeiten und Paradoxien sind nicht die Ausnahmen, sondern die Regel.

Wort gleich Sache?

Um Missverständnissen vorzubeugen und sprachliche Verirrungen zu vermeiden müssen wir also verhandeln, auch über die Sprache. Wir einigen uns für ein Ding oder ein Phänomen auf einen Namen und vermeiden so die Falle, Sache und Wort gleichzusetzen. Deutlich wird das am Vergleich der beiden folgenden Sätze:

  1. Parken ist hier verboten.
  2. Spenden ist gut.

Das Wort „ist“ finden wir in beiden Sätzen. Während wir mit dem ersten Satz eine Behauptung erfahren, die wir auf ihre Richtigkeit prüfen können, erscheint der zweite Satz als moralisierende Anmaßung. Der Trick: Mit der falschen Verwendung des Wortes „ist“ schiebt uns der Sprecher seine persönliche Meinung als allgemeingültige Wahrheit unter. Dem ist schwerer zu widersprechen, als würde er sagen „Ich bin der Meinung, daß Spenden gut ist.“. Mit diesem Trick erspart sich der Sprecher die Begründung, so kann er alles behaupten.

Gute, gewitzte Führung arbeitet mit dem Witz und mit dem Ansatz „Ich bin der Meinung, daß …, weil …“. Führung braucht weder Wahrheitspostulate noch Ideologien, keine Moralwillkür, sondern begründete Thesen, deren Gültigkeit und Stärke sich an der Wirklichkeit messen lassen können. Ist die These nicht mehr tragfähig, dann können wir sie aufgeben und gegen eine andere, bessere ersetzen.

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